Maßnahmen für den Aalschutz

Schon seit der Stauregulierung und dem Ausbau der Mosel zur Großgewässerstraße wird der Fluss zur Bestandserhaltung in geeigneten Gewässern bzw. Gewässersystemen regelmäßig mit Aalen besetzt. Damit soll sowohl – mit Einschränkungen – eine fischereiliche Bewirtschaftung ermöglicht werden, als auch das Abwandern einer hinreichend großen Zahl an laichreifen Blankaalen in den Westatlantik zum Erhalt der Art gewährleistet bleiben.


a) „Fischen und umsetzen“

Um den absteigenden, d. h. abwanderungswilligen Blankaalen den Weg in die Sargassosee (Westatlantik) zu bahnen, werden sie in den Moselstaustufen vor den Wasserkraftanlagen mittels Reusen gefangenen und zunächst schonend gehältert. Einmal wöchentlich werden sie schließlich mit einem Fischtransportfahrzeug an den Rhein bei Linz verfrachtet und in den hindernisfreien Rhein wieder ausgesetzt, um die Laichwanderung in den Westatlantik fortsetzen zu können. Erstmalig wurden die Sofortmaßnahmen in der Phase des herbstlichen Abwanderungsmaximums von August bis November im Jahr 1997 durchgeführt.
Mit der „Aalschutzinitiative“ kann der Versuch der Quantifizierung der jährlichen Blankaalabwanderung aus dem Rheinsystem durch Farbmarkierung der Moselaale und Wiederfangexperimente in Nordrhein-Westfalen bzw. Sichtung der Berufsfischereifänge in den Niederlanden unternommen werden.

Den Aalfang haben die Berufsfischereibetriebe an Mosel und Saar übernommen, die als Pächter die Stauhaltungen fischereilich bewirtschaften. Die nachfolgende Tabelle (Stand November 2015) gibt einen mengenmäßigen Überblick über die bisher gefangenen und ausgebrachten Blankaale:

JahrFang (kg)
1997
1998
1.174
1.923
1999
2000
3.418
4.612
2001
2002
5.803
4.735
2003
2004
3.939
3.584
2005
2006
5.785
5.558
2007
2008
7.357
5.790
2009
2010
4.030
3.850
2011
2012
5.095
4.496
2013
2014
3.525
4.099
20154.640

Durchschnittlich wurden 4,5 - 5 t Aal pro Fangsaison abgefischt und umgesetzt, was einer Menge von ungefähr 12.000 - 15000 Blankaalen entspricht. Bei einer geschätzten Gesamtaalpopulation in der Mosel von ca. 200.000 Exemplaren müssten zum Erhalt einer natürlichen Reproduktionsrate ca. 25 % dieser Aale abwandern. Somit erfasst die Aalschutzinitiative mittlerweile gut 1/3 der abwanderungswilligen Blankaale, was von allen Beteiligten als Erfolg gesehen wird.

b) „Abweisen und Umlenken“

Um das Eindringen von Aalen in die Turbine zu verhindern, wurden alternative Rechenkonstruktionen (Schrägrechen, geneigte Rechen) in Verbindung mit der Anordnung von Bypässen unter Berücksichtigung der vor den Turbinen auftretenden Strömungsgeschwindigkeiten und deren Verteilung untersucht und entwickelt. Ziel war es, die Aale mit dem Rechen effektiv zu einem Bypass zu lenken, durch den die Aale dann am Kraftwerk vorbei abwandern können. Zugleich galt es, die Energieverluste am Rechen zu minimieren. Insbesondere das immer noch vorhandene Wissensdefizit über das Verhalten der Aale macht eine Aussage über die Effizienz des Systems derzeit aber unmöglich. 

c) „Früherkennen und Steuern“

In Ergänzung zu den Möglichkeiten, das Einschwimmen der Aale in die Turbinen mittels physikalischer Barrieren zu unterbinden, wird aktuell ein fischschonender Betrieb der Wasserkraftanlagen während der höchsten Wanderungsaktivitäten geprüft. Hierbei soll durch eine gezielte Beaufschlagung der Wasserkraftturbinen eine möglichst verletzungsfreie Passage des Aals ermöglicht werden. Um das Einsetzen von Wander- Ereignissen möglichst punktgenau identifizieren zu können, wird derzeit der Einsatz von mit Detektoren versehenen Fangreusen in der Mosel untersucht, da ein mathematisches Vorhersagemodell zur Abwanderung bisher nicht entwickelt werden konnte. Durch die Kombination eines fischangepassten Managements der Turbinen mit dem Verbringen von adulten Aalen in den Rhein („Fischen und umsetzen“) hofft die Aalschutzinitiative einen angemessenen Aalschutz im Umfeld der Wasserkraftanlagen zu bewirken. Dazu ist ein neues, auf drei Jahre ausgelegtes Projekt zur Entwicklung eines Frühwarnsystems in Kooperation mit der Universität Luxemburg und der FH Trier im Jahr 2013 angelaufen.

Wichtiger Teilbeitrag für den Erhalt der Gesamtpopulation

Die Maßnahmen im Rahmen der Aalschutzinitiative, an denen jetzt auch Nordrhein-Westfalen sowie die Niederlande partizipieren, entsprechen den Vorgaben der im September 2007 in Kraft getretenen EG-Aalverordnung und dienen dem Erreichen der Ziele des Aalmanagementplans für die Internationale Flussgebietseinheit Rhein (FGG Rhein).

Dies kann aber nur ein Teilbeitrag zu einem umfassenden Aalschutz in Deutschland und Europa sein. Die Konkurrenz und der Preiskampf um die Restbestände an Jungaalen sind erheblich und sollen künftig über eine Änderung der EU-Aalverordnung stärker reglementiert werden. Im Hinblick darauf hat die EU-Kommission 2014 einen Bericht zur Durchführung der bestehenden Verordnung vorgelegt. Die gesicherte und schadlose Abwanderung eines Mindestanteils von Blankaalen aus den Aalpopulationen der europäischen Flussgebietseinheiten soll ebenfalls helfen, die Bestände des Europäischen Aals zu erhalten. Die Aalschutzinitiative an der Mosel will hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.