SGD Nord-Präsident besucht FFH-Gebiet „Gerolsteiner Kalkeifel“

Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, informierte sich an den Gerolsteiner Dolomiten zum Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet „Gerolsteiner Kalkeifel“. Aktueller Anlass ist die in Kürze anstehende Veröffentlichung des FFH-Bewirtschaftungsplanes für das Gebiet. Solche Pläne erstellt die SGD Nord als Obere Naturschutzbehörde nach dem Landesnaturschutzgesetz für Natura 2000-Gebiete und koordiniert die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zum Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.

Auf dem etwa 8.400 Hektar großen Areal wurden im Jahr 2016 insgesamt 14 Maßnahmen mit einer Gesamtsumme von rund 17.000 Euro im Rahmen der Biotopbetreuung durchgeführt. Im Umfeld der Gerolsteiner Dolomiten überzeugte sich Dr. Kleemann von deren Erfolg. Das Kalkriff ist eines der Wahrzeichen der Stadt Gerolstein und neben der naturschutzfachlichen Bedeutung von besonderer touristischer, geologischer und kulturhistorischer Wichtigkeit. „Ich freue mich, dass wir mit der Stadt Gerolstein als größtem Grundstückseigentümer im Schutzgebiet einen starken und aktiven Partner zum Schutz dieses einzigartigen Landstriches an unserer Seite haben“, bekräftigte Kleemann bei seinem Rundgang.

Bereits seit über zwei Jahrzehnten werden die artenreichen Kalkmagerrasen in diesem Bereich jährlich von Schafen beweidet. Im vergangenen Jahr wurden außerdem Stockausschläge von nicht gefressenen Gehölzen nachgemulcht, sämtliche Nadelgehölze auf städtischen und teilweise auch privaten Grundstücken zur Förderung der standorttypischen Laubgehölze abgeholzt sowie Kalkmagerrasen und Wacholder im Nachgang zu den Rodungsarbeiten freigestellt. Seit einigen Jahren wird der Kalkfelsen an Auberg und Munterley freigestellt.

Das Gebiet ist gekennzeichnet durch eine hohe geologische und ökologische Vielfalt mit einem Mosaik unterschiedlicher Lebensräume. Schwerpunkt sind dabei die Wälder, die vor allem im Südteil große, geschlossene Waldgebiete bilden mit einem hohen Anteil typischer Buchenwald-Lebensraumtypen. Aber auch andere Waldtypen, wie Orchideen-Buchenwälder, Schlucht- und Hangschuttwälder und Quell- und Auwälder, finden sich hier in enger Verzahnung. Größenmäßig den zweiten großen Schwerpunkt bilden die Grünland-Mähwiesen, die zum großen Teil in besonders guten Ausprägungen und regional auch in großen Arealen zu finden sind. Insbesondere die Übergangsbereiche zu den Berg-Mähwiesen sind hier bemerkenswert. Ebenso die Kombination mit weiteren Grünlandbiotopen, wie Magerweiden, Feucht- und Nasswiesen sowie weiteren FFH-Offenland-Lebensraumtypen.

Innerhalb des Areals liegen drei mitteldevonische Kalkmulden und zahlreiche quartäre Basalt- und Schlackenkuppen, die zu den höchsten Erhebungen der Vulkaneifel zählen. Zu den Besonderheiten zählen die Mühlstein- und Karsthöhlen als Schwarm- und Winterquartier mit bisher zehn nachgewiesenen Fledermausarten. Sie haben eine landesweite Bedeutung für den Schutz der Arten. Hier ist besondere Vorsorge zu treffen bezüglich Besucherlenkung, Information und Sicherung der Höhlen. In den Kalkmulden findet sich verteilt über mehrere Teilflächen die höchste Konzentration von kalkreichen Niedermooren mit den besten Ausprägungen in ganz Rheinland-Pfalz. Ebenfalls besonders hoch sind die Flächenanteile von Kalkmagerrasen in verschiedenen Ausprägungen, zahlreiche Felsbiotope wie die Gerolsteiner Dolomiten und der Wöllersberg und eine natürliche Kalktuffquelle im Salmwald. Zudem sind Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden gut repräsentiert und besitzen mit der Obereher Heide eines der Top-Gebiete in Rheinland-Pfalz. Das Band der Kyll als größerer Mittelgebirgsbach und das Kylltal sind wichtig als Vernetzungsachse an der Westseite des Gebietes.

Zurzeit werden die im Rahmen der Offenlage bei der SGD Nord eingegangen Stellungnahmen zum Entwurf des Bewirtschaftungsplanes „Gerolsteiner Kalkeifel“ ausgewertet. Danach wird der Bewirtschaftungsplan endgültig unter http://www.naturschutz.rlp.de/?q=bewirtschaftungsplaene veröffentlicht.

Zum Hintergrund:
Das Gebiet wurde im Jahr 1990 als Naturschutzgebiet „Gerolsteiner Dolomiten (Auberg, Munterley, Hustley, Papenkaule und Juddenkirchhof)“ ausgewiesen. Im Jahr 2005 wurde es mit weiteren Teilgebieten als FFH-Gebiet „Gerolsteiner Kalkeifel“ in die NATURA 2000 Gebietskulisse aufgenommen. Der aktuell aufzustellende Bewirtschaftungsplan ist ein Fachplan des Naturschutzes und Handlungsleitlinie. Er soll Klarheit über den Zustand der maßgeblichen Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten geben und besteht aus einem Grundlagen- und einem Maßnahmenteil. Darin wird beschrieben, welche Arten und Lebensraumtypen den besonderen ökologischen Wert des Gebietes ausmachen, welche Erhaltungsziele für das Gebiet gelten und welche Maßnahmen notwendig sind, um für die Arten und Lebensräume einen günstigen Erhaltungszustand zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Bewirtschaftungspläne werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Benehmen mit den kommunalen Planungsträgern und unter Beteiligung der Betroffenen festgelegt. Für die Biotopbetreuung wurden im Bereich der SGD Nord im vergangenen Jahr mehr als 1,3 Millionen Euro ausgezahlt.