350 Blankaale in den Rhein umgesetzt

Aktuell haben Mitarbeiter der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord zusammen mit einem Berufsfischer rund 350 Blankaale von der Mosel und der Saar in den Rhein umgesetzt. Der Transport der Tiere ist eine von mehreren Maßnahmen innerhalb der „Aalschutz-Initiative Rheinland-Pfalz/innogy SE“ zur Bestandserhaltung der gefährdeten Fischart.

Blankaale werden im Zeitraum von Ende Mai bis Ende November aus der Mosel und der Saar mit einem Fischtransportfahrzeug an den Rhein bei Rolandseck gebracht und in den Fluss umgesetzt. Von dort aus können die geschlechtsreifen Tiere ihre Laichwanderung in den Westatlantik fortsetzen. Denn Wasserkraftanlagen in den Flüssen hindern den natürlichen und gefahrlosen Abstieg der Fische. Bei ihrer Passage durch die Wasserkraftturbinen werden die langen Tiere zu einem hohen Prozentsatz verletzt oder getötet.

Durch die „Aalschutz-Initiative“ werden die Aale während ihrer Abwanderung deshalb von 10 Berufsfischern vor den rheinland-pfälzischen Staustufen von Mosel und Saar abgefischt und der SGD Nord gemeldet. Werden mindestens 100 Kilogramm Blankaale gefangen, wird ein neuer Transport organisiert und durch einen auf Fischtransporte spezialisierten Berufsfischer durchgeführt. Als obere Fischereibehörde kontrolliert und begleitet die SGD Nord die Übergabe von den einzelnen Fischereibetrieben an den Transporteur, den Transport und den Aussatz der Blankaale in den Rhein.

Um das Aussetzen für die Tiere möglichst schonend zu gestalten, gleiten die zwischen 60 Zentimeter und einem Meter langen Aale mit einem Wasserpolster von einem speziellen Transportbehälter durch ein glattes Rohr in den Rhein. Pro Jahr gelangen auf diese Weise etwa 12.000 bis 15.000 Aale unbeschadet in den Fluss.

Weil in der Mosel und der Saar Fische und Aale regelmäßig durch Tubinen von Wasserkraftanlagen zum Teil tödlich verletzt wurden, vereinbarte das Land Rheinland-Pfalz zusammen mit der Betreiberin der Wasserkraftanlagen (RWE Power AG, jetzt innogy SE) bereits vor über 20 Jahren eine gemeinsame Aalschutzinitiative.

Im Rahmen der Umsetzung der EU-Aal-Verordnung im Jahr 2007 wurde der Fang auf den Aal in allen Bundesländern durch eine jährliche Schonzeit vom 1. Oktober bis zum 1. März für Berufs- und Angelfischer erheblich eingeschränkt. Beim Fang müssen die Tiere zudem mindestens 50 Zentimeter groß sein.

Zum Hintergrund:
Der Bestand des europäischen Aals (Anguilla anguilla L.) wird spätestens seit Inkrafttreten der EU-Aal-Verordnung als gefährdert beurteilt. Die Aal-Fischerei ist deshalb nicht mehr ohne Auflagen möglich.

Aale im Rheineinzugsgebiet sind Teil des Bestandes des europäischen Aals. Der europaweite Abwärtstrend begann in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und konnte trotz Besatz nicht aufgehalten werden. Als Ursache vermuten Experten großräumige Veränderungen in den Ozeanen, menschliche Eingriffe in die Natur durch Wasserkraftkraftanlagen in Flüssen, sowie Schadstoffanreicherungen. Zudem spielen der Kormoranfraß und auch die Fischerei eine negative Rolle in der Bestandsentwicklung. In der EU-Aal-Verordnung sind daher neben der Einschränkung der Fischerei auch die Aktionsfelder der Wasserkraftbetreiber und des Artenschutzes angesprochen.

Die „Aalschutz-Initiative“ hat bereits in ihrem Gründungsjahr 1995 auf diesen negativen Trend reagiert. Seitdem versucht sie mit einem breit gefächerten Maßnahmenprogramm die durch Turbinen verursachte Schäden an den Tieren in der Mosel und der Saar zu verhindern. Die Initiative hat den Anstoß für umfangreiche Forschungen zum Fischschutz gegeben und ist Beispiel für ähnliche Aktivitäten in Neckar, Main und Weser geworden.