Deichsanierung in Neuwied-Engers: SGD-Nord-Präsident Uwe Hüser informiert sich über die Kampfmittelsondierung

Der Deich in Neuwied-Engers schützt die Menschen der Stadt in seiner jetzigen Form bereits seit mehr als 90 Jahren vor Hochwasser. Doch inzwischen ist er in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Bevor es aber mit der Sanierung richtig losgehen kann, sind einige Vorarbeiten zu erledigen. Unter anderem muss überprüft werden, ob sich im Bereich der künftigen Baustelle noch Kampfmittel im Boden befinden.

Die Eisenbahnbrücke in Engers war am Ende des zweiten Weltkrieges stark umkämpft. Nach Auswertung der Luftbilder ist in diesem Areal mit einem vermehrten Aufkommen alter Kampfmittel zu rechnen. Aufgrund des intensiven Artilleriebeschusses und diverser Bombenangriffe werden die anstehenden Arbeiten von Experten als technisch schwierig und daher auch sehr aufwendig bewertet. Ein Vermessungsteam hat bereits den genauen Baustellenbereich abgesteckt. Nun startet die Untersuchung des Areals auf Kampfmittel. Davon machte sich der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, Uwe Hüser, nun selbst ein Bild „Das rheinland-pfälzische Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten hat fast 6,6 Millionen Euro bereitgestellt, um die Menschen und das hier zu findende Trinkwasservorkommen durch diese Sanierung langfristig vor Hochwasser zu schützen“, so Hüser. „Die SGD Nord hat den Plan für das Millionenprojekt genehmigt und ist für Planung, Vergabe und Überwachung aller Arbeiten verantwortlich. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig der Landesregierung der Hochwasserschutz ist“, verdeutlicht der Präsident.

Die Stadt Neuwied übernimmt 10 Prozent der Gesamtkosten. Auch Neuwieds Oberbürgermeister Jan Einig freut sich, dass die Sicherungsmaßnamen starten: „Die Stadtväter haben vor 90 Jahren Weitsicht bewiesen und eine Deichanlage errichtet, die die Stadt vor Überschwemmungen schützt. Hochwasserschutz ist für alle an Flüssen und Strömen gelegenen Kommunen eine große Aufgabe. Die Deichmauer in der Stadtmitte ist sichtbares Zeichen dieser Vorsichtsmaßnahmen, an anderer Stelle, wie hier im Engerser Feld, sind sie nicht so offensichtlich, erfüllen aber gleichermaßen einen wichtigen Zweck. Wir danken der SGD Nord, dass sie nun Sicherungsmaßnahmen für die weitläufige Deichanlage in Gang bringt. Sie dienen dem Schutz der Bürgerinnen und Bürger“, so Einig.

Aktuell wird die gesamte Baustellenfläche durch eine EDV-gestützte Oberflächensondierung mit einem 5-Kanal-Magnetometer aufgenommen. Dies geschieht, ohne in das Erdreich eingreifen zu müssen. Durch das Gerät können computergestützte Aufzeichnungen zur Detektion im Erdreich durchgeführt werden. Insgesamt müssen etwa 53.000 Quadratmeter Fläche im ersten Arbeitsablauf sondiert werden. Im Anschluss werden die Ergebnisse ausgewertet und die Anzahl der Störkörper und Anomalien im Untergrund ermittelt. Nach der Auswertung der Sondierungsergebnisse werden diese freigelegt und geborgen. Erst wenn die gefundenen Kampmittel beseitigt sind, kann die eigentliche Sanierung des Deiches beginnen. Allerdings haben in diesem Areal auch Zaun- sowie Mauereidechsen ihren Lebensraum. Es wurden Eidechsenpopulationen auf der Südböschung des Rheindeiches, im südexponierten Außenrand von Gebüschstreifen zwischen dem Kann-See und dem Schimmelsberger Weg sowie an den Bahndammböschung nachgewiesen.

Zu deren Schutz wurde im Planfeststellungsverfahren festgelegt, dass die betroffenen Lebensräume durch Fachleute im Vorfeld abgesucht und gefundene Eidechsen umgesiedelt werden müssen. Die Umsiedlung der kartierten Eidechsenarten ist für Mai geplant. Die Tiere ziehen dann in ein für sie vorbereitetes, dem Deich angrenzendes Areal um. Damit sie nicht doch wieder ins Baufeld wandern, wird derzeit zusätzlich ein Amphibienschutzzaun errichtet, der nach der Beendigung der Deichsanierung wieder entfernt wird.

Ziel der SGD Nord ist es, noch in der zweiten Jahreshälfte mit den eigentlichen Bauarbeiten beginnen zu können. Einzelne Bereiche werden aber zusätzlich noch baubegleitend auf Kampfmittel untersucht.

Zum Hintergrund:

Der Rheindeich schützt nicht nur die Neuwieder vor Hochwasser, sondern auch ein bedeutsames Trinkwasservorkommen. Der rechtsrheinische Hochwasserschutzdeich erstreckt sich von Rhein-Kilometer 601,96 bis Rhein-Kilometer 602,58 und riegelt einen ehemaligen Altarm des Rheins ab, der durch das „Engerser Feld“ verläuft. In diesem befinden sich die für die gesamte Region unverzichtbaren Trinkwassergewinnungsanlagen. Im Hochwasserfall wird der Eintrag von verunreinigtem Rheinwasser in das hinter dem Deich gelegene Trinkwasserschutzgebiet und somit in das Grundwasser vermieden.

Der in die Jahre gekommene Rheindeich ist im Falle eines extremen Hochwassers nicht mehr standsicher und die Technik ist veraltet. Deshalb soll er in Abschnitten zurückgebaut und als 3-Zonen-Deich mit Stützkörper, Oberflächenabdichtung und Auflastfilter wieder aufgebaut werden. Der neue Deich wird insgesamt rund 860 Meter lang sein. Der Hochwasserschutzdeich unterquert bei Rhein-Kilometer 602,1 die Kronprinz-Wilhelm-Brücke, wodurch der Planungsraum in zwei Bereiche gegliedert wird. Westlich der Eisenbahnlinie verläuft der neue Deich weitgehend in der Trasse des bisher vorhandenen Deiches. Östlich schwenkt er von der alten Trassenführung, die parallel zum Rheinufer verläuft, ab und folgt dem Elmsweg nach Nordosten, wo er am Ortsrand von Engers in dem dort natürlich ansteigenden Gelände ausläuft. Im Bereich der Eisenbahnbrücke wird die landseitige Deichböschung aufgrund der sehr beengten Platzverhältnisse durch eine Stützmauer abgefangen. Die Hochwasserschutzanlage erhält hier über eine Strecke von rund 170 Metern eine Untergrundabdichtung, die mit Spundwänden – in Ergänzung zu einer bereits vorhandenen Rüttelschmalwand – hergestellt wird. Diese dient als Sickerwegsverlängerung und führt zu einem Druckabbau im Untergrund und damit zu einer Erhöhung der Standsicherheit der Hochwasserschutzanlage.

Der Grundwasserzustrom zu den Brunnen der Trinkwassergewinnung wird dadurch nicht beeinträchtigt. Weitere wesentliche Elemente der Deichanlage sind ein bituminös befestigter Deichverteidigungsweg, der auch als Radweg genutzt werden darf, zwei Deichschutzstreifen, die Deichkrone mit Fußweg, eine Untergrundabdichtung und verschiedene Deichüberfahrten.

Weitere Informationen unter https://sgdnord.rlp.de/de/wasser-abfall-boden/wasserwirtschaft/gewaesserausbau/rheindeich-neuwied-engers/